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  • Aktienbewertung - welches KGV soll ich verwenden?
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Dieser Newsletter ist dafür da um euch, ergänzend zur Website und zur FB-Gruppe, zusätzlichen Mehrwert zu bieten. Es werden regelmäßig Updates zu den bisher analysierten Aktien veröffentlicht, auf aktuelle Ereignisse (bspw. Quartalszahlen) und auf andere Anliegen von euch eingegangen, wie z. B. Wunschanalysen oder auch häufig gestellte Fragen rund um das Thema Aktien.

Bevor es damit losgeht noch einmal der kurze Hinweis:
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  1. Das Aktienanalyse-Verzeichnis aufrufen - mit einem Klick auf das Bild oder auf diesen Link

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  3. Abwarten und freuen, falls du gewonnen hast

Nun gehts direkt zum heutigen Newsletter-Thema bzw. zu einem neuen Format:
Neues Format - Eure Fragen

Jeder, der mir schon einmal eine Frage per Mail gesendet oder ein Kommentar unterhalb meiner Aktienanalysen geschrieben hat, weiß, dass ich recht schnell und sehr ausführlich auf eure Fragen antworte.

Da eure Fragen zum einen sehr interessant und auch für all die anderen Leser relevant sind und zum anderen häufig die gleichen Fragen gestellt werden, wird es ab jetzt ein neues Format geben:

Ihr könnt bzw. sollt mir auf diese E-Mail antworten, den Betreff zu "Frage - Newsletter" ändern und eine Frage in Bezug auf die Börse, Aktienanalysen oder die Aktienbewertung stellen. Diese wird dann in einem der nächsten Newsletter-Mails von mir beantwortet. Selbstverständlich läuft das alles völlig anonym ab (außer ihr möchtet, dass euer (Vor-)Name veröffentlicht wird).

Und auch falls ihr sonstige Anliegen habt sowie wünsche für ein neues Format oder andere Dinge, ich unbedingt auf der Website oder in diesem Newsletter behandeln soll, könnt ihr jederzeit auf diese E-Mail antworten oder eine Nachricht an "kontakt@finanzfunk.net" schreiben.
Welches KGV für die Aktienbewertung verwenden?

Wir starten dieses Format mit eine der wichtigsten Fragen zum Thema Aktienanalysen, die ich schon mehrfach gestellt bekommen habe: Welches KGV soll ich für die Aktienbewertung heranziehen?

Im folgenden Abschnitt werde ich diese Frage mit Praxisbeispielen und wichtigen Erläuterungen ausführlich beantworten. Die nächsten Punkte werden dabei sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Anleger interessant sein.

1. Bewertung anhand des historischen KGVs

Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Arten ein Unternehmen zu bewerten. Von komplexeren Verfahren wie dem Dicounted-Cashflow-Modell bis hin zu eigens errechneten Scores, bei denen Punkte vergeben werden.

Ein eher unkompliziertes aber gleichzeitig auch zuverlässiges Bewertungsverfahren, ist die Bewertung anhand der historischen Kennzahlen (KGV, KCV, etc.). Dabei macht man sich die Effizienz des Marktes zunutze - grob vereinfacht:

➤ Wenn sich die Bewertung eines Unternehmens in den vergangen Jahren immer um einen bestimmten Wert bewegt hat, dann bedeutet das nichts anderes, als dass sich alle Markt-Teilnehmer (institutionellen Anleger, Banken, Hedgefonds-Manager, Privatanleger, etc.) über die faire Bewertung des Unternehmens "einig" waren.

➤ Wenn das Unternehmen in der Vergangeheit bspw. mit einem KGV zwischen 20 und 25 vom Markt bewertet wurde und sich in letzter Zeit nichts grundlegendes am operativen Geschäft verändert hat (wichtiger Punkt, auf den ich im nächsten Abschnitt noch einmal zurückkommen werde), dann wird das Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft mit solch einem KGV bewertet. Auf dieser Basis lassen sich dann Prognosen und Kursziele erstellen.

Der große Vorteil dabei:
Zum einen erspart man sich dadurch aufwendige Berechnungen und zum anderen werden dabei automatisch die bestimmten Besonderheiten eines Unternehmens bei der Bewertung berücksichtigt...

Praxisbeispiel

Stelle Dir einmal die Frage, mit welchem KGV du die börsennotierte Optikerkette Fielmann bewerten würdest, die ein geringes einstelliges Gewinnwachstum aufweist?
  • mit einem KGV von 15...?
  • oder vielleicht sogar 20...?
Das tatsächliche KGV von Fielmann hat sich von 2014 bis zum Jahr 2019 in einem Bereich zwischen 30 und 35 bewegt, wie die folgende Grafik zeigt:
KGV-Verlauf der Fielmann Aktie

Warum ist das KGV von einem eher kleinen Unternehmen wie Fielmann, mit vergleichsweise geringen Wachstumsraten so hoch?

  • Fielmann ist ein familiengeführtes Unternehmen - die Geschäftsführung leistet eine hervorragende Arbeit und agiert sehr weitsichtig
  • Fielmann ist Branchenführer in der DACH-Region
  • Im Vergleich zur Konkurrenz erwirtschaften sie mehr Umsatz pro Filiale
  • Sie sind im Besitz der gesamten Wertschöpfungskette
  • Die Kundenbewertungen und die Margen sind deutlich höher als die der Konkurrenz
  • Fielmann ist in einem defensiven sowie langfristig und konstant wachsenden Markt tätigt (immer mehr Menschen mit Sehschwäche)
  • In vergangen Krisen wie bspw. der Dotcom Bubble oder der Finanzkrise wies die Aktie eine vergleichsweise geringe Volatilität auf

...all diese Faktoren (es gibt mit Sicherheit noch weitere) führen dazu, dass der Markt Fielmann mit einem, im Verhältnis zum Gewinnwachstum, sehr hohen KGV bewertet. Und all das wird bei der Bewertung anhand des historischen KGVs berücksichtig.

Fazit zum 1. Punkt
In den meisten Fällen machst es Sinn, sich nach den KGV-Werten der letzten Jahre zu orientieren. Dabei solltest du jedoch unbedingt einen weiteren Aspekt beachten:

2. Berücksichtung der individuellen Aspekte eines Unternehmens

Beim Lesen meiner Analysen wird dir mit Sicherheit schon aufgefallen sein, dass ich jedes Unternehmen ganz individuell betrachte. Das bezieht sich auf die Analyse selbst (die Struktur meiner Aktienanalysen ist immer eine andere) wie auch auf die Bewertung der jeweiligen Aktie.

So habe ich vorhin mit Blick auf die Bewertung anhand des historischen KGVs geschrieben "(...) wenn sich in letzter Zeit nichts grundlegendes am operativen Geschäft verändert hat".

...Diesen Faktor gilt es unbedingt zu berücksichtigen, denn solche Veränderungen wirken sich auch auf das durchschnittliche KGV aus. Und falls so etwas bei der Bewertung nicht beachtet wird, kann es zu fehlerhaften Prognosen führen, wie das nächste Praxisbeispiel zeigt:

KGV-Verlauf der Adobe Aktie
In dieser Grafik sehen wir die KGV-Entwicklung von Adobe. Abgesehen von den Ausreißern im Jahr 2010, bewegt sich dieser Wert im Schnitt zwischen 15 und 20. Diesen Wert sollte wir jedoch nicht für die Bewertung heranziehen...

Denn bei Adobe müssen wir eine wichtige Veränderung beim Geschäftsmodell berücksichtigen:
Umsatzentwicklung der Adobe Aktie
Wie du an der Abbildung sehen kannst, kam es ab dem Jahr 2014 zu einem starken Anstieg beim Umsatzwachstum. Das liegt daran, dass Adobe im Jahr 2013/ 2014 auf ein Abo-Modell umgestellt hat.

...Das wirkte sich in den ersten beiden Folgejahren zwar negativ auf die Geschäftsentwicklung aus, aber langfristig führt das zu deutlich höheren Wachstumsraten, steigenden Margen und besser planbaren Einnahmen.

Und all das rechtfertigt natürlich auch ein höheres KGV:
Aktuelle KGV-Entwicklung von Adobe

So bewegt sich das KGV der letzten 5 Jahre zwischen 40 und 60 und ist damit ca. 3-Mal so hoch wie zuvor. Auch eine Reihe von strategisch sinnvollen Übernahmen und eine breitere Ausrichtung des Geschäfts trugen ihren Teil zu diesen höheren KGV-Werten bei.

Aktuell überarbeite ich meine Adobe Aktienanalyse, die ich erstmals im Frühling letzten Jahres veröffentlichte habe. Voraussichtlich nächste Woche werde ich dann den neuen Artikel zu Adobe veröffentlichen.

...Dies gilt aber auch umgekehrt. So macht es bspw. genauso wenig Sinn, ein Unternehmen wie Lufthansa auf Basis des alten (aus jetziger Sicht zu hohen) KGVs zu bewerten. Denn durch die Corona-Pandmie hat sich die finanzielle Situation deutlich verschlechtert. Daher dürften wir bei der Bewertung der Lufthansa Aktie nicht die KGV-Werte der letzten 3-5 Jahre verwenden.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, auch bei Unternehmen wie Fielmann oder Adobe, bei der Bewertung einen geringeren KGV-Wert (etwas weniger als der Durchschnitt) zu verwenden. Dadurch baut man sich einen gewissen "Puffer" für unerwartete Risiken in die Bewertung mit ein.

Fazit zum 2. Punkt
Bei der Bewertung anhand des historischen KGVs solltest du die individuellen Aspekte des Unternehmens mit berücksichtigen, bspw. ob es zu Veränderungen beim Geschäftsmodell kam oder ob sich die Situation insgesamt zum positiven bzw. negativen gewandelt hat und darauf basierend die passenden KGV-Werte verwenden.

3. Es muss nicht immer das KGV sein

Manchmal macht es mehr Sinn auf andere Kennzahlen zurückzugreifen. So habe ich in meinem Artikel zur Bewertung der Amazon Aktie, mehrere Bewertungsmethoden gegenübergestellt und ausführlich begründet, weshalb sich bei Amazon die Bewertung anhand des KCVs am besten eignet.
Bewertung anhand des KCVs - Amazon

Die obige Abbildung zeigt, dass sich der Verlauf des KCVs hervorragend an den tatsächlichen Kursverlauf anschmiegt - ein sehr positiver Indikator für die jeweilige Bewertungsmethode.

...Dann gibt es aber auch noch Unternehmen wie AMD (Advanced Micro Devices), die einerseits ein starkes Wachstum aufweisen, anderseits aber auch nur über eine kurze Historie an positiven Gewinnen verfügen. Hier ist es kaum möglich, einen historischen KGV-Wert zu verwenden.

Dabei müssen dann weitere Aspekte die Bewertung mit einfließen, wie bspw. die:

  • Strategie und das Geschäftsmodell
  • Wachstumsraten
  • Prognosen und Aussichten
  • Besonderheiten der Branche
  • Margenentwicklung
  • Eigenkapitalrendite
  • Free Cash Flow Entwicklung
  • Schulden-Quote
  • Region, in der das Unternehmen tätig ist
  • Diversifikation der Geschäftsbereiche
  • Führung (CEO)
  • etc.
Dabei ist es schwierig hierzu eine eindeutige Antwort abzugeben, welche Aspekte man wie hoch gewichten sollte und welches passende KGV sich dann daraus ergibt. Im besten Fall kannst du dabei auch auf deine eigenen Erfahrungswerte zurückgreifen und deine Intuition mit einfließen lassen.

Am Beispiel meiner ausführlichen Aktienanalyse zu AMD oder auch der Sea Limited Aktienanalyse kannst du sehen, welche Aspekte ich alles berücksichtige, falls die Bewertung anhand des historischen KGVs nicht möglich ist.

Fazit

In den meisten Fällen eignen sich die historischen Kennzahlen hervorragend für die Aktienbewertung. In Bezug auf die Frage, welcher KGV-Wert dabei zu verwenden ist, solltest du aber auch die individuellen Aspekte des Unternehmens berücksichtigen (wie das Beispiel von Adobe gezeigt hat).

Bei Unternehmen wie Amazon kann es aber auch sinnvoll sein, andere Kennzahlen für die historische Aktienbewertung zu verwenden - wie z. B. das KCV. Und sollten nur wenig historische Daten verfügbar sein (wie bei AMD oder Sea Limited) wird der KGV-Wert durch zusätzliche Faktoren (siehe Aufzählung oben) bestimmt.
Ich hoffe, dass ich dir damit weiterhelfen konnte!

Denk dran, mir auf diese E-Mail zu antworten und deine Frage (dann mit "Newsletter - Frage" als Betreff), deine Wünsche, dein Feedback oder sonstige Anliegen zukommen zu lassen.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

Konstantin von finanzfunk.net

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